Kurische Nehrung
Sand, Sand und Himmel
"Der Landstreifen ist 96 Kilometer lang und so schmal, dass man ihn in 20 Minuten oder einer halben Stunde bequem vom Haff zur See überqueren kann", beschreibt Thomas Mann - einer der berühmtesten Feriengäste auf der Kurischen Nehrung - in seinem "Niddener Tagebuch" die im Ostseeraum in ihrer Art einzigartige Halbinsel. Drei Sommer verbrachte der Literatur-Nobelpreisträger Anfang der dreißiger Jahre im damaligen Nidden. Das nach seinen Vorstellungen gebaute hölzerne und reetgedeckte Ferienhaus auf dem "Schwiegermutterberg" am Ortsrand von Nida beherbergt ein kleines Museum. Jedes der sechs Kinder hatte ein eigenes Zimmer, besonders eindrucksvoll ist das ehemalige Arbeitszimmer des Dichters mit einem grandiosen Blick über das Kurische Haff. Mann nannte diesen Blick seinen "Italienblick".
Drei Elche in den Wäldern
Das "Niddener Tagebuch" und der Vortrag "Mein Sommerhaus", den Thomas Manns 1931 vor dem Rotary Club in München hielt, können noch heute gut als Reiseführer für Entdeckungen auf der Kurischen Nehrung dienen. Begeistert schreibt der Autor zum Beispiel über die Elche, deren imposanter Anblick ihn zu regelrechten Schwärmereien verleitete. Heute soll es immer noch drei der gewaltigen Tiere in den Wäldern der Nehrung geben. "Wer einen Elch sieht, sagt mir bitte sofort Bescheid und bekommt von mir einen Kaffee", schmunzelt Vita. Die scheuen Tiere wagen sich nur in den ganz frühen Morgenstunden aus dem Dickicht hervor.
Diesen Eindruck hat man auch heute noch im Tal des Schweigens, einem weiten Tal zwischen zwei Dünen. Entstanden ist das Phänomen durch Menschenhand: Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde der ursprüngliche Wald aus Eichen, Linden, Birken und Fichten abgeholzt, und damit kam das ökologische Gleichgewicht ins Wanken. Die Dünen begannen zu wandern und begruben im Laufe der Zeit 14 Dörfer. Seit 200 Jahren ist man damit beschäftigt, die Dünen zu bepflanzen und festzulegen. Heute ist die große Düne von Nida gefährdet. Der Wind trägt den Sand ins Haff, und in den letzten 20 Jahren hat sie rund 15 Meter an Höhe verloren.
Wie Nida erstrahlen auch die Badeorte Smyltine (Sandkrug), Juodkranté (Schwarzort) und Pervalka (Perwelk) im neuen Glanz. Auf neu angelegten Strandpromenaden flanieren Urlauber und Tagesausflügler. Gebadet wird sowohl im ruhigen Haff, als auch in der wellenbewegten Ostsee. Der Weg zum Strand ist nirgendwo besonders weit. Kulturinteressierte suchen Spuren der Niddener Künstlerkolonie, mit der Max Pechstein, Lovis Corinth, Karl Schmidt-Rotluff und andere ein Malerparadies schufen, bewundern Schmuckstücke aus Bernstein oder lassen sich die Geschichte von den Kurenkahnwimpeln erklären. Anhand dieser hölzernen Fahnen konnte man früher die gesamte Familiengeschichte der Fischer an ihren Booten erkennen.
Von Ditmar Hauer, ddp






